Lebenslauf
Dr. iur. Eugen-Robert Ohlischlaeger, genannt Geno, wurde am 4. November 1898 in Viersen geboren.
Er studierte Rechtswissenschaften in Würzburg und Jena und promovierte am 26. Juni 1923 zum Dr. iur. Bereits während dieser Jahre zog es ihn jedoch zur Literatur, zum Journalismus und zur Kunst. 1922 erschien unter dem Namen Geno Leander sein erstes Buch Medaillen und Kehrseiten. Den Einband gestaltete Clarita „Claire“ Philipp-Tellier, die später seine Ehefrau wurde.
Nach Stationen in München führte ihn sein Weg Mitte der 1920er-Jahre nach Berlin. Dort arbeitete er als Journalist, Kritiker und Schriftsteller und fand bald ein neues Betätigungsfeld in dem damals noch jungen Medium Rundfunk.
Am 1. Oktober 1928 zog das Ehepaar Ohlischlaeger in die neu errichtete Künstlerkolonie Berlin-Wilmersdorf und gehörte damit zu deren ersten Bewohnern. Geno Ohlischlaeger lebte dort bis zu seinem Tod 1974.
Seine erfolgreichste Schaffensperiode begann mit dem Aufstieg des Rundfunks. Anfang der 1930er-Jahre gehörte Geno Ohlischlaeger zu den meistgesendeten Hörspielautoren. Zu seinen Arbeiten gehörten unter anderem Das Wasser steigt, Der Taxichauffeur, Aller Mütter Sohn und Kleider machen Leute. Seine Hörspiele wurden von verschiedenen deutschen Sendern ausgestrahlt und später teilweise neu produziert. Er wurde als „Pionier des Hörspiels“ bezeichnet.
Daneben war Geno Ohlischlaeger ein äußerst produktiver Schriftsteller und Journalist. Er schrieb über tausend Kurzgeschichten, die in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht wurden, darunter die Berliner Morgenpost und die Neue Revue. Außerdem arbeitete er als Kritiker und schrieb über Film und Kultur.
Auch die Musik gehörte zu seinem umfangreichen Schaffen. Er schrieb und komponierte zahlreiche Lieder und Chansons. Seine Arbeiten wurden unter anderem von Greta Keller, Hildegard Knef, Lale Andersen und Lizzi Waldmüller interpretiert.
Das Jahr 1933 bedeutete einen tiefen Einschnitt. Am 15. März 1933 wurde die Berliner Künstlerkolonie von der SA überfallen. Auch die Wohnung von Geno und Claire Ohlischlaeger wurde durchsucht; Bücher von Claires Vater Fabian Philipp wurden beschlagnahmt.
Seine Frau, die Malerin und Sängerin Claire Philipp-Tellier, war Jüdin und erhielt Berufsverbot. Geno Ohlischlaeger selbst war von Erschwerungen seiner beruflichen Tätigkeit betroffen. Die nationalsozialistische Herrschaft, die Verfolgung Claires und schließlich der Krieg prägten das Leben des Ehepaares nachhaltig.
In dieser Zeit entstand auch ein Werk Genos, das später eine besondere Rolle spielen sollte: das „Stuka-Lied“. Nach den überlieferten Familienunterlagen stand seine Entstehung im Zusammenhang mit dem Versuch, seine jüdische Ehefrau zu schützen. Nach Kriegsende wurde dieses Kapitel seiner Biografie auch Gegenstand seiner Entnazifizierung.
Trotz der schwierigen Bedingungen arbeitete Geno weiter. 1937 entstand der Film Frauen wollen betrogen sein nach einer Idee von ihm. Seine künstlerische Karriere, die sich vor 1933 so erfolgreich entwickelt hatte, konnte er unter den veränderten politischen Bedingungen jedoch nicht in gleicher Weise fortsetzen.
Nach 1945 versuchte Geno Ohlischlaeger, wieder an seine frühere Tätigkeit als Autor, Journalist und Rundfunkautor anzuknüpfen. Seine Hörspiele wurden auch in den folgenden Jahrzehnten erneut produziert und ausgestrahlt.
In den 1960er-Jahren fand auch sein musikalisches Schaffen über Deutschland hinaus Beachtung. „Paris, Paris“ wurde zum Abschlusslied einer Pariser Revue im La Boule Blanche. Für seine „Marche de Gaulle“ erhielt Geno Ohlischlaeger einen persönlichen Dank von General Charles de Gaulle.
Bis zu seinem Tod lebte Geno Ohlischlaeger in der Künstlerkolonie in Berlin-Wilmersdorf. Dort hatte er mehr als vier Jahrzehnte deutscher Geschichte erlebt – von der Weimarer Republik über die nationalsozialistische Diktatur und den Krieg bis zum geteilten Berlin.
Am 28. Juni 1974 starb Dr. iur. Eugen-Robert „Geno“ Ohlischlaeger in Berlin-West.
Sein Nachlass mit Manuskripten, Dokumenten, Fotografien, Musik und persönlichen Aufzeichnungen bildet heute eine wesentliche Grundlage für die Rekonstruktion seines Lebens.
Seine Geschichte und die Geschichte seiner Familie stehen im Mittelpunkt des Buches „Hätt’ ja schlimmer kommen können – Zwei Künstlerleben 1898–1957 und die Berliner Künstlerkolonie“ von Doro Ohlischlaeger, seiner Tochter


